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Die so genannte Nordtangente ist ein Bundesfernstraßenprojekt, dessen Planung auf die 20-er Jahre des 20. Jahrhunderts zurück geht.

Die beiden Teilstücke der Nordtangente sind im "Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen" (Anlage zum FStrAbG) enthalten:
Nordtangente-Ost (zwischen B10 bei Grötzingen und Theodor-Heuss-Allee) zwei-/vierstreifig im Vordringlichen/Weiteren Bedarf.
Nordtangente-West (zwischen Linkenheimer Landstraße und geplanter 2. Rheinbrücke) zweistreifig im Vordringlichen Bedarf.

Für die Nordtangente-Ost besteht seit 1994 einen Bebauungsplan. Für die Nordtangente-West besteht noch kein Baurecht. Beide Nordtangenten-Teile sind im Flächennutzungsplan enthalten.

Die Verbindung zwischen Nordtangente-West und -Ost soll in Form der so genannten Hängebauchlösung über bestehende Straßen (Theodor-Heuss-Allee, Adenauerring und Linkenheimer Landstraße; gelbe Linie) erfolgen. Baulastträger für diesen Abschnitt ist die Stadt Karlsruhe. Immer wieder werden aber auch Forderungen nach einem "Hardtwalddurchstich" laut.

Der 1. Abschnitt der Nordtangente-Ost - der Autobahnanschluss Karlsruhe-Nord mit Anbindung an die Elfmorgenbruchstraße - wurde im März 2007 fertig gestellt. Bis 2008 soll die Verknüpfung mit der B 10 bei Grötzingen erfolgt sein. Für eine Weiterführung in Richtung Westen bis zur Haid-und-Neu-Straße stehen auf absehbare Zeit keine Finanzmittel zur Verfügung (vgl. hierzu auch eine Kleinen Landtagsanfrage vom März 2007 und eine Mitteilung der Landesregierung zur Priorisierung von Straßenbauprojekten vom Juni 2007). In Diskussion ist schon seit längerem der Bau des Abschnitts Elfmorgenbruch bis Haid-und-Neu-Straße in Regie der Stadt als Südumfahrung Hagsfeld (vgl. hierzu eine Kleine Landtagsanfrage vom März 2010). Laut Gemeinderatsunterlagen vom 15.03.11 wird die Stadt einen Antrag zur Aufnahme des Vorhabens in das GVFG-Programm (Entflechtungsgesetz) stellen (vgl. SPD-Antrag; KAL-Antrag).

Verkehrsprognosen zeigen, dass die Entlastung der Südtangente durch die Nordtangente minimal wäre. Zu befürchten ist - auch im Zusammenhang mit anderen Straßenbauprojekten in der Region - eine starke Zunahme des überregionalen Verkehrs quer durch das Karlsruher Stadtgebiet.

Am 27.01.09 hat sich der Karlsruher Gemeinderat mit der Nordtangenten-Planung beschäftigt. Sitzungsunterlagen finden Sie hier. Nachgelesen werden kann auch der Bericht in der Stadtzeitung

Eng mit der Nordtangente verknüpft ist das Vorhaben, eine 2. Rheinbrücke zu bauen. Auch dies ist ein im Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen enthaltenes Projekt. Die Nordtangenten-Gegner befürchten, dass der Bau der 2. Rheinbrücke den Druck für den Bau der Nordtangente stark erhöht.

Für die 2. Rheinbrücke gibt es seit Juni 2006 einen raumordnerischen Entscheid (PDF 203 kb). Dieser geht auf der Grundlage eines Gutachtens von Modus Consult von einem Verkehrszuwachs von damals aktuellen 80.000 Kfz/Tag auf 100.000 Kfz/Tag bis 2025 aus.
Die Naturschutzverbände haben zwei Stellungnahmen ins Verfahren eingebracht:
- Fachtechnische Stellungnahme des Büros für Angewandten Umweltschutz (PDF 83 kb)
- Naturschutzrechtliche Stellungnahme (PDF 36 kb).
Der Karlsruher Gemeinderat hat eine ablehnende Stellungnahme zur Planung abgegeben (vgl. Bericht in der Stadtzeitung vom 24.02.06). Am 23.01.07 hat im Karlsruhe Gemeinderat ein interfraktioneller Antrag von KAL und GRÜNEN eine Mehrheit gefunden, der darauf abzielt, die Trasse für die Anbindung der 2. Rheinbrücke aus dem Flächennutzungsplan und dem Regionalplan zu nehmen. 

Im Gegensatz zum o.g. Verkehrsgutachten kam eine von ptv erstellte Verkehrsuntersuchung im April 2008 zu dem Ergebnis, dass - ohne Brückenneubau - je nach gewähltem Szenario bis 2025 entweder ein Rückgang des Verkehrs um max. etwa 4.400 Kfz/Tag oder ein Zuwachs von max. etwa 3.300 Kfz/Tag zu erwarten sei. Auch mit Brückeneubau sei ohne Nordtangente nur von einem geringfügigen Verkehrszuwachs über den Rhein auszugehen (max. 2.100 Kfz/Tag).

Am 22.08.08 teilte der rheinland-pfälzische Verkehrsminister mit, dass das Bundesverkehrsministerium das Linienbestimmungsverfahren für eine zweite Rheinbrücke zwischen Wörth und Karlsruhe positiv abgeschlossen habe (vgl. Bericht in der Stadtzeitung vom 29.08.08). Das Planfeststellungsverfahren sollte 2009 eingeleitet werden.

Zwischenzeitlich gab es Diskussionen zur Anbindung der geplanten 2. Rheinbrücke an das Karlsruher Straßennetz. Offenbar hat das Regierungspräsidium eine Plan vorgelegt, der die Verknüpfung der 2. Rheinbrücke mit der B36 vorsieht. Der Bund hat diesen Plan zurückgewiesen. Hiergegen haben OB Fenrich und Landrat Schnaudigel einen Protestbrief an den Bundesverkehrsminister geschrieben, der wiederum Protest bei GRÜNEN und KAL auslöste. Infos dazu auch in einer Kleinen Landtagsanfrage und einem Schreiben des UVM Baden-Württemberg. Die Bürgeraktion Umweltschutz Zentrales Oberrheingebiet hat sich im März 2010 mit einem Schreiben an Bundesverkehrsminister Ramsauer gewandt.
Infos zur Position des Bundesverkehrsministeriums enthält ein Schreiben vom 26.05.10, das von einem
Beginn des Planfeststellungsverfahrens im Sommer 2010 ausgeht (Brief des BMVBS zur Nordtangente vom 26.05.10).

Informationen zur 2. Rheinbrücke sind auch einer Kleinen Landtagsanfrage vom September 2006 sowie einer Kleinen Anfrage Landtagsanfrage vom Mai 2007 zu entnehmen. Die in letztgenannter Drucksache genannten "stetigen Verkehrszunahmen" sind allerdings nicht durch entsprechende Zahlen belegt. Zu beachten ist auch, dass bei der angegebenen Restnutzungsdauer lediglich von der Fahrbahnplatte die Rede ist. Eine Auswechslung der Seile, die eine Vollsperrung erforderlich machen würde, ist voraussichtlich erst in mehreren Jahrzehnten notwendig. Eine Kleine Landtagsanfrage vom September 2010 enthält Informationen bzgl. Fernverkehrsrelevanz. Und mit dem Vorschlag einer Ersatzbrücke beschäftigt sich ein KAL-Gemeinderatsantrag vom September 2010. Eine Kleine Anfrage im Bundestag erkundigte sich im März 2011 nach dem Sachstand.

Am 25.03.2011 hat das Regierungspräsidium Karlsruhe eine Pressemitteilung zur Einleitung des Planfeststellungsverfahrens herausgegeben. Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am 24.05.11 die vorgelegte Planung abgelehnt (vgl. Bericht in der Stadtzeitung vom 27.05.11).

Am 18. und 22.11.2011 fand ein "Faktencheck" zur Rheinquerung in Karlsruhe statt (siehe Homepage des MVI).






So sieht der geplante Trassenverlauf der Nordtangente-Ost vor der Einmündung in die Theodor-Heuss-Allee heute aus.